Warum Qualität von beruflicher Fortbildung in der Pflege heute wichtiger denn je ist und welche Probleme die Branche plagen
- hochvierakademie

- 4. Okt. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Okt. 2025
Fortbildung gilt als Schlüssel, um den stetigen Wandel in Gesundheitswesen, Pflege und anderen Branchen zu bewältigen.
Doch welches Potenzial entfaltet sie wirklich? Die Deming‑Kette – auch Demingsche Reaktionskette genannt – liefert ein ökonomisches Modell, das die Ursache‑Wirkungs‑Beziehung zwischen Qualität und wirtschaftlichem Erfolg beschreibt: Qualitätsverbesserung senkt Kosten, steigert die Produktivität, ermöglicht wettbewerbsfähige Preise, erhöht den Marktanteil, sichert das Überleben des Unternehmens und schafft Arbeitsplätze. Fortbildung ist hierbei ein zentraler Hebel: Sie verbessert Kompetenz und Prozessqualität und setzt so den Mechanismus der Deming‑Kette in Gang (vgl. Koch, 2015)

Wo stehen wir? Ein Blick in die Studien
Trendbericht „Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2022“
Der Adult Education Survey 2022 (AES) zeigt, dass die Weiterbildungsteilnahme nach Jahren des Wachstums wieder zurückgeht. Zwar bleibt die betriebliche Weiterbildung stabil, doch die Teilnahme ist bei An‑ und Ungelernten sowie Personen mit mittlerem Bildungsabschluss rückläufig. Gleichzeitig sinkt die investierte Zeit und die subjektive Bewertung des Nutzens von Weiterbildungen fällt schlechter aus: 47 % der Befragten gaben an, nur wenige Stunden an Fortbildungen teilgenommen zu haben, und nur 20 % investierten einen ganzen Tag . Die Zufriedenheit mit dem Erlernten ist seit 2018 deutlich gesunken – heute sind nur noch 49 % sehr zufrieden und 44 % eher zufrieden. Gleichzeitig verzeichnet der Bericht einen Aufwärtstrend bei digitalen Lernformaten und einen wachsenden Wunsch nach individueller Beratung und Orientierung.
Diese Zahlen zeigen: Ein großer Teil von Fortbildung bleibt oberflächlich und vermittelt wenig Praxisnutzen – sie wird „für den Ordner“ absolviert statt echte Kompetenz aufzubauen, die wiederum langfristig zum Unternehmenserfolg beitragen würde (AES 2022).
KfW‑Studie „Weiterbildung 2021: Teilnahme hängt vom sozialen Hintergrund ab“
Die KfW‑Analyse 2021 bestätigt den negativen Trend: Nur 40 % der Erwerbsbevölkerung nahmen beruflich an Weiterbildungen teil (kfw.de). Ein Drittel der Befragten gab an, aufgrund der Corona‑Pandemie weniger oder gar keine Weiterbildung besucht zu haben. Die Studie weist zudem eine deutliche soziale Schieflage nach: Je höher Bildungsstand und Einkommen, desto höher die Teilnahmequote. Besonders im Bereich der Digitalkompetenzen hängt die Teilnahme stark vom sozialen Hintergrund ab. Die Pandemie hat die Weiterbildung zwar „ins digitale Zeitalter katapultiert“, doch der Bericht warnt, dass nur 4 % der Kurse vor der Pandemie online stattfanden, inzwischen jedoch die Hälfte. Um das Potenzial digitalen Lernens zu nutzen, fordert KfW Research klar definierte Qualitätsstandards, mehr Zeit für Bildung sowie finanzielle Förderung.
Berufliche Weiterbildung ist essenziell für Arbeitsmarkterfolg, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit (kfw.de) – ein direkter Bezug zur Deming‑Kette.
Nationale Weiterbildungsstrategie – Umsetzungsbericht 2025 Qualität von beruflicher Fortbildung
Die Partner der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) betonen in ihrem Umsetzungsbericht 2025 die Notwendigkeit, das Weiterbildungssystem weiterzuentwickeln. Besonderes Augenmerk liegt auf formal geringqualifizierten Personen und kleinen sowie mittleren Unternehmen (KMU) – beide beteiligen sich unterdurchschnittlich an Weiterbildung (bmas.de). Ziel ist es, Zugänge zu Beratung und Angeboten zu erleichtern, Kooperationen in Regionen und Branchen zu stärken und Konzepte für technologischen und ökologischen Wandel zu entwickeln, um die Qualität von beruflicher Fortbildung zu verbessern. Die Strategie fordert, konkrete Ansätze zu erarbeiten, damit mehr Geringqualifizierte teilnehmen und den Aufbau benötigter Kompetenzen im betrieblichen Kontext zu fördern, insbesondere für KMU. Diese politischen Vorgaben sollen sicherstellen, dass Weiterbildung tatsächlich zur qualitativen Verbesserung beiträgt (bmas)

Fortbildungen zu den Expertenstandards in der Pflege
Laut dem Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass die Qualität vieler Fortbildungsangebote zu den Expertenstandards in der Pflege stark variiert. Häufig liegt der Fokus allein auf der Wissensvermittlung – die eigentliche Intention der Standards und deren Anwendung in der Praxis bleiben oft unberücksichtigt (DNQP, 2024).
Damit die Qualität der Fortbildung über Expertenstandards ein hohes und praxisnahes Niveau widerspiegelt, bildet das DNQP seit 2025 gezielt Multiplikator*innen aus, die mit einem offiziellen Zertifikat berechtigt sind, Fortbildungen im Namen des DNQP anzubieten. Ziel ist es, die Qualität der Schulungen zu sichern und praxisnahe Seminare anzubieten, die weit über reine Wissensvermittlung hinausgehen. Diese Fortbildungen finden Sie hier.
Fortbildung als Startpunkt der Deming‑Kette
Die Studien zeigen deutlich, dass der Nutzen vieler Weiterbildungen abnimmt, während soziale Ungleichheit und Kurzlebigkeit von Kursen zunehmen. In der Logik der Deming‑Kette bedeutet dies:
Wenn Fortbildung keine spürbare Qualitätsverbesserung bringt, bleibt die Kausalkette stehen. Schlecht zugeschnittene Standardseminare verursachen eher Kosten als Nutzen, da sie wertvolle Arbeitszeit binden ohne die Produktivität zu steigern. Andersherum kann gezielte, praxisnahe Fortbildung Prozesse verbessern, Fehler reduzieren und die Service‑Qualität erhöhen – genau hier setzt der Mechanismus der Deming‑Kette an (vgl. Koch, 2015).
Qualitätssteigerung durch Fortbildung: Professionelle Programme, die sich am realen Arbeitsalltag orientieren fördern Fach‑ und Sozialkompetenzen und verbessern die Pflegequalität. Weniger Fehler, effizientere Abläufe und höhere Zufriedenheit.
Produktivitätszuwachs und Kostensenkung: Gute Fortbildung macht Teams effizienter; weniger Nacharbeit und kürzere Einarbeitungszeiten senken die Kosten – das Unternehmen kann wettbewerbsfähigere Preise anbieten und so neue Marktanteile gewinnen.
Wettbewerbsvorteil und Arbeitsplatzsicherheit: Langfristig führen gesteigerte Qualität und Produktivität zu einer stärkeren Marktposition und sichern Arbeitsplätze sowie Gewinne (vgl. Koch, 2015).
Handlungsempfehlungen
Praxisnähe statt Standardprogramme: Fortbildungen sollten auf konkrete Aufgaben in Pflegeeinrichtungen zugeschnitten sein und anhand realer Fälle Wissen vermitteln.
Digitale Formate professionell entwickeln: Die Digitalisierung birgt Chancen, wenn die Qualität stimmt. Interaktive Online‑Kurse mit didaktischer Betreuung können flexible Lernzeiten ermöglichen.
Qualität messen und verbessern: Regelmäßige Evaluationen durch Teilnehmende und Arbeitgeber sind notwendig, um den Praxisnutzen zu sichern und die Deming‑Kette zu aktivieren (bmas.)
Fazit
Fortbildung ist ein zentraler Hebel der Deming‑Kette: Nur wenn sie zu messbaren Qualitätsverbesserungen führt, lassen sich Kosten senken, Produktivität steigern und Wettbewerbsfähigkeit ausbauen. Die aktuellen Studien mahnen, dass die bestehende Weiterbildungslandschaft diesem Anspruch oft nicht genügt – sie ist zu standardisiert, sozial selektiv und in der digitalen Umsetzung heterogen. Unternehmen, Verbände und Politik sind aufgefordert, die Qualität und Zugänglichkeit von Fortbildungen zu verbessern.
Dann kann Fortbildung vom Aktenordner zur echten Innovationskraft werden und den Motor für wirtschaftlichen Erfolg und sichere Arbeitsplätze darstellen. Profitieren Sie von unseren Qualitätsgeprüften Fortbildungen zu den DNQP Expertenstandards in der Pflege für Praxisanleitende, Pflegefachkräfte, Pflegedienstleitungen und QM-Beauftragte in
unserem Seminarkalender 2025/2026 in Greifswald und Hamburg oder als Inhouse-Fortbildung.
Quellen:
• Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Trendbericht Weiterbildung in Deutschland – Ergebnisse des Adult Education Survey (AES), 2022
• Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) & Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Nationale Weiterbildungsstrategie – Umsetzungsbericht, 2025
• Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Fokus Volkswirtschaft Nr. 402 – Weiterbildung 2021: Teilnahme hängt vom sozialen Hintergrund ab, 2022
• Einführung in das Management von Geschäftsprozessen, S.Koch, 2015
https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-44450-4
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